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Don Juan, umgangssprachliche Bezeichnung für einen notorischen Frauenhelden, literarisch eine zunächst im Umfeld der Romanzen innerhalb der spanischen Literatur entstandene Figur des unersättlichen, sinnenfrohen Verführers; vermutlich geht sie jedoch bereits auf eine mündlich tradierte Volksdichtung zurück. Lange Zeit wurde die älteste bekannte Fassung des Stoffs, El burlador de Sevilla y convidado de pietra von 1613 (anonym gedruckt 1630; Der Spötter von Sevilla und der steinerne Gast), dem Geistlichen Tirso de Molina zugeschrieben. Seit Ende der achtziger Jahre gilt sein Zeitgenosse, der Impresario und Theaterdichter Andrés de Claramonte (um 1580 bis 1626), als Verfasser des Dramas. Claramonte gab Don Juan seine archetypische Legendengestalt als edler Verbrecher. In El burlador de Sevilla erscheint er als ebenso verführerischer wie reicher, unmoralischer und egoistisch-indifferenter Herzensbrecher und Mörder, der am Ende seines Lebens den von ihm getöteten Vater einer Geschändeten - den "steinernen Gast" Don Gonzales - spöttisch zum Essensmahl lädt und nach einer Gegenofferte in dessen Gruft in die Unterwelt bzw. Hölle hinabgezogen wird; am Ende des Stücks ist die Weltenordnung durch Heirat der Opfer wieder hergestellt. Zunächst überwogen klar die burlesken Züge der Figur. Erst Molière raubte dem Verführer in Dom Juan ou le festin de pierre 1665 seine komischen Züge und stilisierte ihn zum skrupellosen Herzensbrecher. Wolfgang Amadeus Mozart verarbeitete den Stoff in seiner Oper Don Giovanni (1787) nach einem Libretto Lorenzo Da Pontes. Bei Søren Kierkegaard wird Mozarts Don Juan in Entweder - Oder (1843) zur Illustration des ästhetischen Typus herangezogen. In der Literatur verknüpfte Christian Dietrich Grabbe die Geschichte mit dem Faust-Mythos (Don Juan und Faust,1829). Kritisiert wurde der Amoralismus der Figur bei Abílio Manuel de Guerra Junqueiro (A Morte de Don João, 1874). In seinem Drama über Liebes- und Geldverstrickungen Man and Superman (1903; Mensch und Übermensch) integrierte George Bernard Shaw als Spiel im Spiel den Don-Juan-Stoff als zweiten Akt. Der fast opernhafte Schlussteil Don Juan in Hell (Don Juan in der Hölle) ist ein Meisterstück des Bühnendialogs und wird häufig separat aufgeführt. Eher parodistisch näherte sich Max Frisch dem Stoff mit dem 1953 uraufgeführten Theaterstück Don Juan oder die Liebe zur Geometrie, in dem der Titelheld keineswegs als dynamischer Frauenverführer auftritt, sondern eher als der vom anderen Geschlecht und den Ereignissen Getriebene erscheint; bei Frisch wurde ihm seine Rolle vom Schicksal vorgeschrieben. Zu weiteren Bearbeitern des Stoffs gehören u. a. Carlo Goldoni, Lord Byron in seiner Zeitsatire Don Juan (1818/19), E. T. A. Hoffmann, der die Figur als Ideensucher weiter intellektualisierte, Prosper Mérimée, Alexandre Dumas d. Ä., Paul Heyse, Miguel de Unamuno y Jugo, José Zorrilla y Moral, Henry Millon de Montherlant, der den Verführer als Zyniker vorstellt, und Jean Anouilh. José de Espronceda y Delgado variierte das Motiv in einem seiner Hauptwerke, El estudiante de Salamanca (1840; Der Student von Salamanca). Nikolaus Lenau schuf das aus dem Nachlass edierte Fragment Don Juan (1851), das der gleichnamigen "Tondichtung" von Richard Strauss (1889) als Basis diente. Unter den filmischen Adaptionen ragt Alexander Kordas The Private Life of Don Juan (1936), der letzte Film des Schauspielers Douglas Fairbanks, heraus. In Don Juan von 1926 setzte Warner Brothers erstmals auf das Vitaphonesystem zur Synchronisation von Ton- und Stummfilm und bewirkte so eine Revolution in der Filmindustrie. 1948 kam Die Abenteuer des Don Juan mit Errol Flynn, 1995 dann die intelligente Psychiatrieposse Don Juan di Marco mit Faye Dunaway, Johnny Depp und Marlon Brando in die Kinos.
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