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Maulwurf im siebten Stock
David McCloskey, ehemaliger CIA-Analyst und damit einer der wenigen Spionageroman-Autoren, der aus eigener Erfahrung schöpft, legt mit „Seventh Floor" eine erstklassige Fortsetzung seines gefeierten „Moskau X" vor. Hauptfiguren aus beiden Vorgängerromanen kehren zurück, und McCloskey beweist einmal mehr, dass er das klassische Handwerk des Genres nicht nur beherrscht, sondern es mit einer unverwechselbaren Handschrift zu beleben versteht. Mit genug Selbstironie, um Anspielungen auf John le Carrés unsterbliches „Tinker Tailor Soldier Spy" einzuflechten, präsentiert er seine ganz eigene Interpretation jenes allgegenwärtigen Motivs der Spionageliteratur: „Es gibt einen Maulwurf in einer Schlüsselposition unserer Behörde!"
Die Handlung setzt mit einem doppelten Schlag ein: Ein russischer CIA-Informant wird von Putins Schergen verhaftet und nimmt sich das Leben, bevor er verhört werden kann. Gleichzeitig wird CIA-Agent Sam Joseph von russischen Operativen entführt. Unmittelbar, nachdem ihm der Informant das Geheimnis um den Maulwurf anvertraut hatte. Was folgt, ist eine Tortur: Sam muss massive, unmenschliche Folter erdulden, bevor er schließlich im Austausch gegen einen inhaftierten russischen Spion an die CIA zurückgegeben wird. McCloskey schildert diese Erfahrung mit einer Schonungslosigkeit, die Sam Joseph nicht als unverwundbaren Actionhelden zeichnet, sondern als Menschen aus Fleisch und Blut, gebrochen, aber nicht besiegt.
Parallel dazu trifft es Artemis Procter, die frühere Leiterin von „Moskau X", jener CIA-Abteilung, die sich ausschließlich auf Russland konzentriert. Wegen ihrer Verwicklung in Sams Operation, ihrer notorischen Ungehorsamkeit und einem denkwürdigen „Fäkal-Malheur" während ihres Entlassungsgesprächs, das in einem Erbrechen auf den Schreibtisch des Direktors gipfelte, wird sie zum Rücktritt gezwungen. Procter zieht nach Florida und arbeitet fortan in der Alligatoren-Touristenfalle ihres Cousins: Sie ringt mit Alligatoren, füttert sie mit lebenden Hühnern, unterhält das Publikum und widmet ihre Freizeit dem exzessiven Alkoholkonsum. Es ist eine der originellsten Abstiege in der jüngeren Spionageliteratur.
Als Sam Procter auf der Alligatorfarm aufsucht und sie in das Geheimnis um den Maulwurf einweiht, beginnt das eigentliche Spiel. Nach ausgiebigen Überredungsversuchen und dem Austausch gemeinsamer Bedenken beschließen die beiden Ausgestoßenen, sich zusammenzutun. Der Verdacht liegt nahe, dass der Verräter ausgerechnet jenem Führungskreis entstammt, der Procter kurz zuvor vor die Tür gesetzt hatte. Dass beide inzwischen offiziell aus dem Dienst entlassen sind, erschwert ihr Unterfangen erheblich, macht es aber auch zu einer der unterhaltsamsten Jagden des Genres.
Was „Seventh Floor" von der Masse der Geheimdienstromane abhebt, ist die außergewöhnliche Lebendigkeit seiner Figuren. McCloskeys Charaktere sind keine Schablonen, sondern Menschen mit Geschichte, Widersprüchen und unverwechselbaren Eigenheiten. Artemis Procter ist das eindrücklichste Beispiel: eine knapp 1,60 Meter große, tätowierte Frau mit wilder Haarpracht, einem Alkoholproblem und einer Persönlichkeit, die keine Gefangenen macht, und die am Ende des Thrillers beweist, dass sie trotz allem zu den Gefährlichsten ihres Fachs zählt. Sam Joseph wiederum ist, wie auch alle andren Figuren, kein unverwundbarer Superheld, sondern ein Gebrochener, der seine Traumata mit sich trägt und dennoch handelt. Diese psychologische Tiefe, gepaart mit einer präzisen, atmosphärischen Erzählweise, macht McCloskey zu einer der spannendsten Stimmen des modernen Spionagethrillers.
Meine Bewertung:
Veröffentlicht am 1. Juni 2026