Der Algorithmus als letzter Gott
(Eine spenglerianische Erweiterung)
Oswald Spengler beschrieb Kulturen als lebendige Organismen. Sie entstehen, blühen, erschöpfen sich – und gehen schließlich in Zivilisationen über, die nur noch den Schatten ihrer ursprünglichen Seele tragen. Die Kultur lebt aus Mythen, Symbolen, metaphysischen Spannungen; die Zivilisation dagegen lebt von Technik, Organisation und Verwaltung.
In dieser Perspektive erscheint die Gegenwart wie eine späte, beinahe müde Phase der abendländischen Geschichte. Die großen metaphysischen Horizonte sind verschwunden, doch das Bedürfnis nach ihnen ist geblieben. Der Mensch kann offenbar nicht in einer vollkommen sinnentleerten Welt existieren. Wo der Himmel sich leert, sucht er unweigerlich nach einem neuen Ort für das Heilige. Dieser Ort liegt heute nicht mehr über uns, sondern unter der Glasoberfläche unserer Bildschirme. Weiterlesen →