Gott ist allmächtig, aber er hat Grenzen

Über Theodizee, göttliche Freiheit und das Paradox der vollkommenen Macht

I. Die Frage, die nicht verstummt

Es gibt Augenblicke, in denen die Philosophie aufhört, ein akademisches Spiel zu sein, und zur existenziellen Not wird. Solche Augenblicke ereignen sich vor den Toren von Auschwitz, an den Betten sterbender Kinder, in den Trümmern von Erdbeben und Kriegen. In diesen Momenten stellt sich die uralte Frage mit einer Unmittelbarkeit, die keine gelehrte Distanz mehr erlaubt: Wenn Gott allmächtig und allgütig ist, warum existiert dann das Böse? Warum lässt er das Leiden zu? Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gedanken zum Tag | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für Gott ist allmächtig, aber er hat Grenzen

Das Trauma-Prinzip

Warum Ermittler im modernen Kriminalroman nur noch an sich selbst ermitteln

Es gibt Entwicklungen in der Literatur, die zunächst wie eine Befreiung wirken, und sich erst mit zeitlichem Abstand als neue Form der Erstarrung erweisen. Der moderne Kriminalroman kennt viele solcher Bewegungen. Lange Zeit dominierte eine Ermittlerfigur, die beinahe mathematische Präzision verkörperte: analytisch, kontrolliert, unangreifbar. Der klassische Kommissar erschien am Tatort wie ein Ordnungsprinzip in Menschengestalt. Seine Aufgabe war klar definiert: Chaos erkennen, Zusammenhänge herstellen, die Welt wieder zusammensetzen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gedanken zum Tag | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert für Das Trauma-Prinzip

Wenn Wahlergebnisse zum Staatsstreich erklärt werden

Es gibt politische Systeme, die an ihren Feinden zugrunde gehen. Und es gibt solche, die an ihrer eigenen moralischen Selbstvergötterung verenden. Die gegenwärtige deutsche Parteienlandschaft scheint entschlossen, den zweiten Weg bis zur bitteren Konsequenz auszukosten: nicht trotz ihrer Demokratie-Rhetorik, sondern gerade wegen ihr. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Die dümmsten Sprüche der Woche, Gedanken zum Tag, So sieht´s aus, Systemfehler | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für Wenn Wahlergebnisse zum Staatsstreich erklärt werden

Sonntags nie

Es gibt Menschen, die freuen sich auf den Sonntag. Sie sprechen dann von „rausfahren“, „die Natur genießen“ oder, besonders bedrohlich, von „einem schönen Familienausflug“. Ich hingegen betrachte den Sonntag mit der vorsichtigen Skepsis eines Mannes, der weiß, dass irgendwo bereits jemand Funktionskleidung anzieht.

Nein, sonntags bleibe ich lieber daheim. Dort bin ich sicher. Dort gibt es keine Ausflugslokale voller Eltern, die ihre Kinder mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und biologischem Fatalismus großziehen. Kinder nämlich, die bereits morgens um halb zehn eine Lautstärke entwickeln, bei der NATO-Staaten normalerweise den Verteidigungsfall prüfen würden. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gedanken zum Tag | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für Sonntags nie

Der Verdacht, kein Täter zu sein

„Es reicht nicht, kein Täter zu sein.‟

Der Satz marschiert heute durch deutsche Debattenräume wie ein schlecht gelaunter Blockwart im moralischen Stechschritt. Früher genügte es noch, keine Menschen zu erschlagen, keine Häuser anzuzünden und keine Nachbarn in Viehwaggons zu verladen. Heute dagegen beginnt die eigentliche Schuld offenbar dort, wo man einfach nur in Ruhe Kaffee trinken wollte. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Antipathie, Fundstücke, Gedanken zum Tag, Schlimme Wörter, Systemfehler | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für Der Verdacht, kein Täter zu sein

Wächter und Wanderer

Mitch Rapp und Jack Reacher – Kulthelden des modernen Actiongenres II

Die moderne Literaturlandschaft des Action- und Thrillergenres wird maßgeblich von Protagonisten geprägt, die als archaische Beschützerfiguren in einer zunehmend komplexen und moralisch ambivalenten Welt agieren. Unter diesen modernen Heroen ragen zwei Gestalten durch ihre beispiellose Resonanz beim Lesepublikum und ihre scharfe Profilierung besonders hervor: Mitch Rapp, der kompromisslose Anti-Terror-Agent aus der Feder des verstorbenen Vince Flynn, und Jack Reacher, der nomadische Ex-Militärpolizist, erschaffen von dem britischen Autor Lee Child. Obgleich beide Figuren dem Archetypus des einsamen Rächers entsprechen und in ihrer physischen wie taktischen Überlegenheit kaum zu übertreffen sind, offenbart eine tiefere literarische Analyse fundamentale Divergenzen in ihrer Genese, ihrem moralischen Ethos und ihrem Verhältnis zur institutionellen Ordnung. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Fundstücke, Gedanken zum Tag | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für Wächter und Wanderer

Schatten der Gerechtigkeit

Evan Smoak und Court Gentry – Kulthelden des modernen Actiongenres I

Das moderne Actiongenre wird zunehmend von Figuren dominiert, die sich in den moralischen Grauzonen unserer Welt bewegen, Männer, die töten, um zu schützen, und die im Schatten operieren, weil das Licht des Gesetzes zu schwach brennt. Zwei der prägnantesten und faszinierendsten Vertreter dieser neuen Heldengeneration sind Evan Smoak, auch bekannt als der „Nowhere Man“, erschaffen von Gregg Hurwitz, und Court Gentry, der legendäre „Gray Man“ aus der Feder von Mark Greaney. Beide Charaktere haben sich zu wahren Kulthelden entwickelt, deren Buchreihen internationale Bestsellerlisten erklimmen und Hollywood in Bewegung setzen. Sie teilen die Gemeinsamkeit einer Vergangenheit als hochgradig ausgebildete, staatliche Auftragsmörder, die sich von ihren Schöpfern losgesagt haben. Dennoch unterscheiden sie sich signifikant in ihrer Motivation, ihrer psychologischen Tiefe und der Art und Weise, wie sie ihre jeweilige Welt navigieren. Dieser Essay beleuchtet die Ursprünge, die moralischen Fundamente und die literarische Bedeutung dieser beiden Ikonen des zeitgenössischen Thriller-Genres. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Fundstücke, Gedanken zum Tag | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für Schatten der Gerechtigkeit

Aufgeben ist die einzige wahre Niederlage

Der Gedanke, dass der vorzeitige Verzicht auf den Widerstand die eigentliche und endgültige Niederlage besiegelt, durchzieht als zentrales Motiv die Ideengeschichte der Menschheit. Von der Antike bis zur Moderne haben Denker, Literaten und Staatsmänner diese existenzielle Wahrheit immer wieder umkreist. Sie verweisen darauf, dass nicht das Scheitern an einer übermächtigen Aufgabe den Menschen mindert, sondern die Kapitulation vor der bloßen Möglichkeit des Scheiterns. Im Folgenden wird diese philosophische Konstante anhand ausgewählter Aphorismen beleuchtet, welche die unbedingte Notwendigkeit des inneren und äußeren Kampfes postulieren. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gedanken zum Tag | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Aufgeben ist die einzige wahre Niederlage

Gute Gedanken, böse Gedanken

Kontrolliere ich die Welt?

Der Satz „Alle meine negativen Gedanken, die ich gegenüber anderen Menschen habe, fallen auf mich selbst zurück“ berührt tiefgründige Konzepte, die sich durch die Religionsgeschichte, esoterische Lehren, philosophische Denkschulen und bis hinein in die moderne Quantenphysik ziehen. Dieser Gedanke drückt eine fundamentale Verbundenheit zwischen dem inneren Erleben eines Individuums und seiner äußeren Realität aus, wobei die Trennung zwischen dem Selbst und dem Anderen aufgehoben oder zumindest stark relativiert wird. Im Folgenden wird diese Aussage in einem umfassenden interdisziplinären Rahmen beleuchtet, der ethische, psychologische und quantenphysikalische Perspektiven integriert, um die vielschichtigen Dimensionen dieses Prinzips für das moderne philosophische Denken herauszuarbeiten. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Gedanken zum Tag | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Gute Gedanken, böse Gedanken

Die letzte Einberufung

Der Staat entdeckt den Greis als Waffensystem

Es gibt politische Forderungen, die klingen zunächst wie ein Versehen. Ein Zahlendreher vielleicht, ein redaktioneller Schluckauf, ein Moment unglücklicher geistiger Unterversorgung. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Antipathie, Die dümmsten Sprüche der Woche, Fundstücke, Gedanken zum Tag, Schlimme Wörter, So sieht´s aus, Systemfehler | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für Die letzte Einberufung