Erving Goffmans Begriff der totalen Institution bezeichnete einst klar umgrenzte Orte: Anstalten, Kasernen, Gefängnisse. Räume, in denen Leben vollständig organisiert, Verhalten normiert und Identität systematisch reduziert wurde. Der entscheidende Punkt war nie die Mauer, sondern die Totalität des Zugriffs. Wer das begriffen hat, erkennt die Aktualität des Konzepts dort, wo heute niemand mehr von Anstalten spricht.
Die moderne totale Institution ist kein Ort mehr, sondern ein Zustand. Sie schließt nicht ein, sie durchdringt. Sie zwingt nicht, sie strukturiert Erwartung. Und sie wirkt am effektivsten dort, wo Politik, Medien und moralischer Diskurs in ein stabiles Unisono fallen. Weiterlesen