Über den hartnäckigen Stolz und das späte Bedauern
Die Anatomie des Stolzes und sein unausweichlicher Fall
Es gibt in der filigranen und doch so oft erschütterten Architektur der menschlichen Seele wohl kein tragenderes, aber zugleich auch kein brüchigeres Element als den Stolz. Er ist das unsichtbare Gerüst, das uns aufrecht hält, wenn der kalte Wind der Demütigung, der Zurückweisung oder des schlichten Unverständnisses der Welt uns ins Gesicht weht. Der Stolz suggeriert uns Autarkie, eine erhabene Unabhängigkeit von den Urteilen und den Zuwendungen anderer. Doch gerade in dieser vermeintlichen Stärke verbirgt sich ein tückischer Fehler im Bauplan unseres Selbst. Der „hartnäckige Stolz“ ist kein erhabenes Gefühl der inneren Würde. Er ist vielmehr eine wehrhafte Festung, deren Mauern in der Illusion der Unverwundbarkeit so hoch und undurchdringlich gezogen wurden, dass sie am Ende nicht nur die vermeintlichen Feinde, sondern auch das wärmende Licht der menschlichen Nähe aussperren. Weiterlesen