Die Ära des leeren Himmels I

Die Einsamkeit des digitalen Menschen

Es gab eine Zeit, oder wenigstens den Glauben daran,, in der der Himmel nicht leer war. Über den Köpfen der Menschen spannte sich ein Raum, der mehr war als Atmosphäre. Er war Projektionsfläche, Drohung, Hoffnung, Gerichtssaal und Trost zugleich. Selbst der Zweifler lebte noch im Schatten einer Transzendenz, gegen die er sich auflehnen konnte.

Heute dagegen hat sich der Himmel entleert. Nicht spektakulär, nicht in einem großen metaphysischen Donnerschlag, sondern geräuschlos, wie ein Raum, aus dem über Nacht die Möbel verschwinden. Am Morgen steht man darin und wundert sich über das Echo der eigenen Schritte.

Der Mensch der Gegenwart lebt in dieser Leere, und versucht verzweifelt, sie mit Stimmen zu füllen. Weiterlesen

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Die Psychologisierung des Politischen

Wie der Bürger zum Patienten wurde

Es war einmal eine Zeit, da war Politik unerquicklich, laut, unerquicklich konkret. Man stritt über Steuern, Gesetze, Grenzen, Krieg und Frieden. Heute streitet man über Befindlichkeiten. Politik hat ihre Aktentasche gegen ein Therapiekissen getauscht. Weiterlesen

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F. Merz und die 50 Euro

Ein deutsches Märchen aus der Politblase

Oder: Die große deutsche Altersvorsorge im Format einer Dauerüberweisung

Es gibt Sätze, die eine eigentümliche Schlichtheit besitzen, als wären sie aus jener moralischen Grammatik geschnitzt, mit der früher Eltern ihre Kinder zur Ordnung riefen. Einer dieser Sätze lautet: „50 Euro im Monat sparen, früh anfangen, nie aufhören.“ Weiterlesen

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Resilienz

Die Kunst, mit dem Gesicht in der Windmaschine zu lächeln

Es gab eine Zeit, da genügte es, zu leiden. Man litt an der Welt, am Wetter, an der Politik, an der eigenen Schwiegermutter. Das Leiden war unerquicklich, aber immerhin ehrlich. Heute dagegen leidet man nicht mehr. Man „arbeitet an seiner Resilienz“. Weiterlesen

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Spiegelbilder der Macht

Die gegensätzlichen Strategien in einer neuen Ära des Konflikts

In der Landschaft der modernen Militärstrategie stehen zwei Werke wie tektonische Platten gegeneinander: „Unrestricted Warfare‟ von den chinesischen Obersten Qiao Liang und Wang Xiangsui und „The Dragons and the Snakes‟ des australischen Strategen David Kilcullen. Obwohl beide die Evolution des Konflikts im 21. Jahrhundert sezieren, tun sie dies aus diametral entgegengesetzten Perspektiven und mit fundamental unterschiedlichen Absichten. Das eine ist ein Manifest des Herausforderers, das andere die Diagnose der herausgeforderten Macht. Gemeinsam zeichnen sie ein scharfes Bild einer Welt, in der die alten Regeln des Krieges nicht mehr gelten. Weiterlesen

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„Kulturschaffende‟ sind Subventionsempfänger

Unter dem Etikett Kunst kommen immer Steuergelder zum Vorschein

Man muss nur das Wort „Kunst“ in einen Förderantrag schreiben, und schon beginnt der Geldfluss zu murmeln wie ein diskret geöffneter Champagner. Es perlt aus Haushaltsplänen, rinnt durch Ausschüsse, versickert in Jurysitzungen und taucht am Ende als Installation wieder auf, die aussieht wie ein umgekippter Farbeimer, aber mit einem sechsseitigen Konzeptpapier ausgestattet ist. Weiterlesen

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Jack Carr, Kriegserfahrung als literarisches Kapital

Es gibt Thrillerautoren, die recherchieren. Und es gibt solche, die erinnern. Jack Carr gehört zur zweiten Kategorie. Seine Romane tragen nicht nur die Handschrift des Spannungsprofis, sondern die Gravur eines Mannes, der über zwei Jahrzehnte als Navy SEAL im Einsatz war, unter anderem im Irak und in Afghanistan. Er kennt nicht nur die Terminologie militärischer Operationen, sondern die Physiologie der Anspannung, das psychische Nachbeben nach Gefechten, die stille Erosion der Gewissheiten. Weiterlesen

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Eine faule Wette

Es gibt Sätze, die klingen wie beiläufig hingeworfen, und doch tragen sie das Gewicht einer ganzen Welt. „Die ideale Welt ist eine faule Wette und erfordert eine Portion Glück, auf die man sich nicht verlassen kann.“ Darin liegt etwas von jener leisen Ernüchterung, die nicht laut klagt, sondern still nickt, als hätte sie längst verstanden, dass das Hoffen allein kein Fundament ist. Weiterlesen

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Die Ambivalenz der Freundlichkeit

Auch ein freundlicher Mensch kann dich zerstören, er braucht nur mehr Zeit dazu.‟

Ferdinand von Schirach, „Ein stiller Freund‟

Es gibt Sätze, die sich nicht mit Pathos aufladen, sondern mit Stille. Sie tragen keine Drohung in sich, sondern eine Ahnung. Dieser hier gehört zu ihnen. Er ist kein moralischer Aufschrei, sondern eine feine, beinahe melancholische Diagnose. Denn er richtet sich nicht gegen das Böse, sondern gegen das Gute. Nicht gegen die Brutalität, sondern gegen die Sanftheit. Weiterlesen

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Brad Thor und die Politik der permanenten Alarmbereitschaft

Wer die Romane von Brad Thor liest, betritt keine Welt der Ambivalenzen. Er betritt eine Welt der Entscheidung. Dort, wo andere Autoren das Zwielicht lieben, bevorzugt Thor das Flutlicht. Seine Bücher sind keine tastenden Annäherungen an politische Wirklichkeit, sondern dramatische Verdichtungen eines Weltbildes, das von Bedrohung, Entschlossenheit und moralischer Klarheit getragen wird. Weiterlesen

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