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Die leisen Töne der Hoffnung: Liz Moores Porträt zweier Außenseiter
Nach dem Erfolg von „Der Gott des Waldes“ wird nun ihr bereits 2012 erschienener Roman „Der andere Arthur“ dem deutschen Publikum zugänglich gemacht. Die Prämisse – ein grotesk übergewichtiger, zurückgezogen lebender Akademiker und ein problembeladener Teenager – birgt die Gefahr, in bekannte Klischees abzudriften. Doch Moore umschifft diese Klippen mit bemerkenswerter Sensibilität.
Die Hauptfiguren, Arthur Opp und Kel Keller, sind mehr als nur ihre Stereotypen. Arthur, der sein Haus seit einem Jahrzehnt nicht mehr verlassen hat, ist sich seiner monströsen Erscheinung schmerzlich bewusst, bittet aber nicht um Mitleid. Seine selbstironische Distanz – „Ich wandere von Zimmer zu Zimmer, ein Geist, ein großer, rotgesichtiger Geist“ – verleiht ihm eine unerwartete Würde. Als seine ehemalige Schülerin Charlene sich nach Jahren meldet und von ihrem sportlich hochbegabten Sohn Kel erzählt, wird Arthur aus seiner selbstgewählten Isolation gerissen. Er stellt die zierliche, schwangere und temperamentvolle 19-jährige Haushälterin Yolanda ein, die zu seiner ersten engen Verbindung zur Außenwelt wird und deren Charakter ebenfalls wunderbar ausgearbeitet ist.
Parallel dazu entfaltet sich die Geschichte von Kel, der mit dem Alkoholismus seiner Mutter und den Tücken der Pubertät kämpft. Moore zeichnet das Porträt eines Jungen, der allen und doch niemandem gehört, am wenigsten sich selbst. Die Schicksale der beiden ungleichen Protagonisten verweben sich langsam, getragen von einer stillen, fast altmodischen Sentimentalität.
Moore gelingt es, ihren Figuren eine authentische Stimme zu verleihen, die ohne große Gesten auskommt. Der Roman vermittelt eine leise Hoffnung für die Außenseiter, ohne die Härten des Lebens zu beschönigen. Zwar hätte die Handlung an manchen Stellen von einer strafferen Erzählweise profitiert und einige beschreibende Passagen tragen wenig zur Substanz bei, doch die Stärke des Buches liegt ohnehin nicht im Plot, sondern in der feinfühligen Charakterzeichnung. „Der andere Arthur“ ist ein berührendes, unaufgeregtes Buch, das seine Wirkung aus den leisen Tönen schöpft.
Meine Bewertung:
Veröffentlicht am14. Februar 2026