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Wenn Haltungsakrobatik zur Muttersprache wird
Es gehört mittlerweile zu den verlässlichsten Konstanten unserer Gegenwart, dass sich Teile der links-grün-woken Milieus eine Wirklichkeit erschaffen haben, die mit jener des gewöhnlichen Sterblichen nur noch lose verwandt scheint. Solange diese Parallelwelt auf die geschlossenen Biotope selbstreferenzieller Erregungsgemeinschaften beschränkt bliebe, könnte man sie als skurrile Randnotiz des Zeitgeists verbuchen, als folkloristische Kuriosität einer Epoche, die ohnehin eine gewisse Vorliebe für intellektuelle Selbstparodien entwickelt hat.
Leider blieb es nicht bei harmlosen Exzessen. Mit bemerkenswerter Ausdauer arbeitet eine lautstarke, politisch und medial hervorragend vernetzte Minderheit daran, ihre sprachlichen Neuerfindungen in den gesellschaftlichen Alltag einzuschleusen, stets begleitet vom missionarischen Eifer jener Menschen, die ihre private Weltanschauung irrtümlich für eine universelle Erlösungslehre halten.
Mit „Links–Deutsch / Deutsch–Links‟ haben die Autoren ein Lexikon geschaffen, das wie eine Expedition in die semantischen Wunderkammern des modernen Haltungsbetriebs wirkt. Hier werden Begriffe gesammelt, seziert und mit feiner Ironie ausgestellt, wie seltene Präparate einer Spezies, die überzeugt ist, gesellschaftliche Wirklichkeit lasse sich durch Umbenennung zuverlässig reparieren.
Von A wie „Antifa“ über M wie „Menstruationsaktivismus" bis Z wie „Zeichen setzen“ entfaltet sich ein Panoptikum sprachlicher Verrenkungen, bevölkert von den üblichen Hohepriestern moralischer Selbstvergewisserung: Aktivisten, Kulturfunktionären, Teilen kirchlicher Milieus, Gewerkschaftsapparaten und jener NGO-Landschaft, deren Finanzierung bisweilen den Eindruck erweckt, der Steuerzahler habe unfreiwillig ein Langzeitexperiment zur Produktion ideologischer Luftschlösser abonniert.
Man könnte all dies achselzuckend als Realsatire betrachten, wäre die Angelegenheit nicht längst über die Grenzen akademischer Debattierzirkel hinausgewachsen. Gendersternchen, Sprachregelwerke und die inzwischen fast metaphysisch anmutende Verwirrung über biologische Selbstverständlichkeiten zeigen, dass aus einstigen Randphänomenen gesellschaftliche Leitmotive werden können.
So liest sich dieses Werk streckenweise wie das Protokoll einer Epoche, die entschlossen scheint, die Wirklichkeit durch Vokabelmanagement zu überwinden. Ein Kompendium des modernen Irrsinns, oder, je nach Standpunkt, die unfreiwillig komischste Chronik unserer Gegenwart.
Meine Bewertung:
Veröffentlicht am 22. Mai 2026