```

Buchkritik -- M.W. Craven -- Die Witwe

Umschlagfoto, Buchkritik, M.W. Craven, Die Witwe, InKulturA In der Welt des Washington Poe gibt es keine Ruhe. Kaum hat er den Gerichtssaal betreten, um mit der unnachahmlichen Hilfe seiner Partnerin Tilly Bradshaw um sein geliebtes Herdwick Croft zu kämpfen, wird er auch schon wieder in den Strudel eines Falles gerissen, der die Grenzen eines gewöhnlichen Mordes sprengt. Ein Hubschrauberpilot, der für einen hochrangigen politischen Gipfel in Cumbria vorgesehen war, wird brutal gefoltert und ermordet aufgefunden. Was als scheinbar simpler Fall beginnt, entfaltet sich rasch zu einem komplexen Netz aus internationaler Spionage, das nicht nur die NCA, sondern auch den MI5 und das FBI auf den Plan ruft.

Mit „Die Witwe“, dem vierten Band seiner gefeierten Reihe, legt M.W. Craven seinen bisher wohl komplexesten und politisch brisantesten Thriller vor. Die Handlung ist ein meisterhaft konstruiertes Labyrinth aus falschen Fährten, subtilen Hinweisen und unerwarteten Wendungen. Craven verwebt mit erzählerischer Souveränität einen Hightech-Banküberfall, die düstere Welt militärischer Geheimnisse aus dem Afghanistan-Krieg und die Intrigen der hohen Politik zu einem atemberaubenden Ganzen. Die kurzen, prägnanten Kapitel treiben das Tempo unaufhaltsam voran und lassen den Leser bis zur letzten Seite nicht mehr los.

Doch das wahre Herz der Reihe schlägt im Zusammenspiel seiner einzigartigen Protagonisten. Der pragmatische, oft sarkastische Poe und die brillante, entwaffnend logische Tilly Bradshaw sind das wohl originellste Ermittlerduo der zeitgenössischen Kriminalliteratur. Ihre Dialoge, geprägt von Poes trockenem Witz und Tillys wörtlichen Interpretationen, sind ein literarischer Genuss und bilden den perfekten Gegenpol zur düsteren Thematik. In „Die Witwe“ wird dieses dynamische Duo durch eine Reihe exzellent gezeichneter Nebenfiguren ergänzt, allen voran der undurchsichtige Alastor Locke, der sich als ebenbürtiger Gegenspieler für Poe erweist.

Craven beweist einmal mehr sein außergewöhnliches Talent, tiefgründige Charakterstudien mit rasanter Action und einer Prise schwarzen Humors zu verbinden. Die authentische und respektvolle Einbindung der Militärthematik verleiht der Geschichte eine zusätzliche emotionale Wucht und Tiefe. Auch wenn Tilly in diesem Band vielleicht etwas weniger präsent ist als gewohnt, schmälert dies den Gesamteindruck kaum. „Die Witwe“ ist ein hochintelligenter, fesselnder und emotional packender Thriller, der die Messlatte des Genres erneut ein Stück höher legt. Ein absolutes Muss für Fans der Reihe und ein brillanter Einstieg für alle, die es noch werden wollen.




Meine Bewertung:Bewertung

Veröffentlicht am 10. Januar 2026