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Buchkritik -- Fabio de Masi -- Geld, Macht, Verbrechen

Umschlagfoto, Buchkritik, Fabio de Mas, Geld, Macht, Verbrechen, InKulturA Im Spannungsfeld zwischen Politik und Wirtschaft, genauer gesagt zwischen den finanziellen Interessen des Hochkapitals und windigen, bestens vernetzten Investoren, bleibt, so zeigt es Fabio de Masi in seinem Buch „Geld, Macht, Verbrechen“ eindrucksvoll, das Recht allzu oft auf der Strecke.

Nach einer kurzen Einführung in seinen Lebenslauf und seine politische Tätigkeit steigt de Masi unmittelbar in das eigentliche Thema ein. Er beschreibt die vielfältigen Möglichkeiten, mit denen finanzstarke Investoren Gewinne verschleiern, Vermögen in Steueroasen verschieben und Milliarden am Staat vorbei in Sicherheit bringen.

Stellvertretend für diese Formen organisierter Wirtschaftskriminalität analysiert der Autor die Cum-Ex-Affäre, ein raffiniertes System mehrfach erstatteter Kapitalertragsteuern, bei dem sich Banken, Investoren und Berater Steuern zurückzahlen ließen, die niemals gezahlt worden waren. Dem deutschen Fiskus entstand dadurch ein Schaden in Milliardenhöhe. Von diesen Vorgängen hatte auch der damalige Hamburger Finanzsenator und spätere Bundeskanzler Olaf Scholz Kenntnis. Ebenso widmet sich de Masi dem Wirecard-Skandal, der sich, ähnlich wie Cum-Ex, als ein erschreckendes Beispiel für das enge Geflecht von Politik, Finanzwelt und staatlichem Kontrollversagen erwiesen hat.

Bezüglich der Cum-Ex-Affäre, in die auch Olaf Scholz politisch verstrickt war, schildert de Masi mit feiner Ironie, zugleich aber stets faktenbasiert, dessen bemerkenswerte Erinnerungslücken während der Aufklärungsarbeit.

Wäre die Angelegenheit nicht so tragisch und hätte sie den Steuerzahler nicht Milliarden gekostet, könnte man über manche Vorgänge beinahe lachen. Großbanken, Investoren und Teile der Politik waren offenkundig bemüht, den Cum-Ex-Skandal möglichst geräuschlos zu behandeln. Dass diese Vorgänge dennoch ins Licht der Öffentlichkeit rückten, ist nicht zuletzt dem beharrlichen Engagement von Fabio de Masi und anderen Aufklärern zu verdanken.

Der Autor wirft darüber hinaus einen Blick hinter die Kulissen parlamentarischer Untersuchungsausschüsse, deren Arbeit sich nicht selten als politisches Beruhigungsmittel für die Öffentlichkeit erweist, anstatt konsequente Aufklärung zu leisten. Sachlich und unaufgeregt, bisweilen mit trockenem Humor, insbesondere im Zusammenhang mit Olaf Scholz,, gewährt de Masi einen ebenso aufschlussreichen wie unterhaltsamen Einblick in die Mechanismen hinter den größten deutschen Finanzskandalen der vergangenen Jahre.

Ebenso schildert der Autor die erheblichen Widerstände, mit denen Untersuchungsausschüsse und nicht zuletzt er selbst bei der Aufklärung wirtschaftskrimineller Machenschaften konfrontiert wurden. Da Staatsanwälte in Deutschland weisungsgebunden sind, kam es immer wieder vor, dass Ermittlungen politisch ausgebremst oder erschwert wurden. Beispielhaft verweist de Masi auf die Kölner Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker, die nach jahrelangen Konflikten über mangelnde Unterstützung im Kampf gegen Cum-Ex den Justizdienst verließ.

Einen weiteren Schwerpunkt legt de Masi auf den Wirecard-Skandal. Das einst als deutscher Vorzeigekonzern der Finanztechnologie gefeierte Unternehmen stieg bis in den DAX auf, ehe sich herausstellte, dass angebliche Guthaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten schlicht nicht existierten. Der spektakuläre Zusammenbruch offenbarte gravierende Versäumnisse von Wirtschaftsprüfern, Finanzaufsicht und Politik. Im Mittelpunkt steht dabei auch der bis heute flüchtige Jan Marsalek mit seinen Verbindungen nach Russland, zu Geheimdiensten und internationalen Netzwerken.

De Masi belässt es jedoch nicht bei der Beschreibung spektakulärer Finanzskandale. Er entwickelt zugleich konkrete Vorschläge, wie sich derartige Manipulationen, Steuerbetrügereien und Formen organisierter Wirtschaftskriminalität künftig wirksamer verhindern ließen. Ob diese Reformen allerdings jemals umgesetzt werden, erscheint fraglich. Zu eng sind die Verflechtungen zwischen Politik, Finanzindustrie und wirtschaftlichen Machtzentren, deren Einfluss sich meist fernab der öffentlichen Aufmerksamkeit entfaltet.

„Geld, Macht, Verbrechen“ ist weit mehr als eine Chronik deutscher Finanzskandale. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie anfällig demokratische Institutionen werden, wenn wirtschaftliche Macht politische Entscheidungen beeinflusst und wirksame Kontrolle versagt. Gerade darin liegt seine eigentliche Stärke: Es fordert den Leser dazu auf, hinter die Fassade offizieller Verlautbarungen zu blicken und die Strukturen zu erkennen, die Wirtschaftskriminalität erst ermöglichen.




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Veröffentlicht am 6. August 2026