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Buchkritik -- Mario Herger -- Homo Syntheticus

Umschlagfoto, Buchkritik, Mario Herger, Homo Syntheticus, InKulturA „Homo Syntheticus‟, der künstliche Mensch. Ist er eine berechtigte Hoffnung oder der Vorbote eines dystopischen Albtraums? Für Mario Herger stellt sich diese Frage kaum; er ist davon überzeugt, dass die Zukunft humanoiden Robotern gehören wird.

Der Autor beginnt seinen Streifzug durch diese neue Welt mit einer Bestandsaufnahme. Er zeigt Maschinen, die bereits heute menschliche Tätigkeiten verrichten. Ob sie schwere Lasten heben, Autoteile zusammenschweißen oder in gefährlichen Umgebungen arbeiten, Roboter haben ihren festen Platz in der Industrie gefunden. Herger nimmt uns mit zu jenen Firmen, die schon heute beträchtliche Summen mit Robotik verdienen. Dabei reicht das Spektrum der Konstruktionen von simplen, kugelförmigen Apparaten bis hin zu komplexen Maschinen, die auf zwei Beinen laufen.

Wir erhalten Einblick in die enormen Hürden, vor denen die Konstrukteure stehen. Wer menschenähnliche Roboter bauen will, kämpft mit der Schwerkraft. Es geht um die Standfestigkeit auf zwei Beinen, um die feingliedrige Motorik von Händen, Füßen und Fingern, und nicht zuletzt um das äußere Erscheinungsbild. Wer im Netz die kurzen Clips der Hersteller gesehen hat und die oft noch unbeholfene Motorik dieser Maschinen kennt, ahnt, dass die Entwicklung hier erst am Anfang steht.

Nach diesem technischen Überblick wendet sich der Autor den eigentlichen Kernfragen zu: Wie werden wir künftig mit diesen Maschinen agieren, und wie soll der „Homo Syntheticus‟ mit uns interagieren? Am Beispiel des autonomen Fahrens illustriert Herger das ethische Grunddilemma. Wie soll ein Fahrzeug im Moment eines unvermeidlichen Unfalls entscheiden? Weicht es der Mutter mit dem Kinderwagen aus oder den beiden Senioren? Wer legt fest, wessen Leben geopfert wird?

An diesem Punkt verlässt das Buch das rein Technische und berührt tiefe philosophische, gesellschaftliche und politische Dimensionen. Eine der drängendsten Fragen ist die nach einem möglichen Bewusstsein des „Homo Syntheticus‟. Sollte eine Maschine eine Form von Bewusstsein erlangen, verändert das unweigerlich unser ethisches Verhalten ihr gegenüber. Es zwingt uns zu der Überlegung, ob ein solches hybrides Wesen Rechte besitzt, wie diese formuliert sein müssten und wer ihre Einhaltung überwacht.

Ebenso ungelöst bleibt die Frage nach der Autonomie. Wie viel Handlungsfreiheit dürfen wir diesen Systemen zugestehen? Wer haftet für die Schäden, die sie anrichten? Und vor allem: Wer entscheidet über die moralischen Richtlinien, die in ihre Algorithmen eingeschrieben werden?

Herger ist sich sicher, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der erste fast vollendete „Homo Syntheticus‟ auf dem Markt erscheint. Überzogen mit künstlicher Haut, ausgestattet mit perfektionierter Mimik und Gestik, werden diese Konstrukte, wie immer wir sie dann nennen mögen, reißenden Absatz finden. Zumindest bei jenen, die über die finanziellen Mittel verfügen, sich diese künstliche Nähe zu erkaufen.

Ob der „Homo Syntheticus‟ den Weg in eine bessere Welt ebnet oder eine schreckliche Dystopie einleitet, muss die Zukunft zeigen. Hergers Buch bietet eine gelungene Mischung aus aktueller Bestandsaufnahme und einem Ausblick auf das technologisch Mögliche. Es zwingt uns vor allem zu der Reflexion, wie wir uns selbst im Spiegel dieser Maschinen sehen.

Für Leser, die einen Blick in eine wahrscheinliche Zukunft werfen möchten und bereit sind, sich den unbequemen Fragen unseres künftigen Zusammenlebens mit Robotern zu stellen, ist dieses Buch eine klare Empfehlung.




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Veröffentlicht am 11. Augusr 2026