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Buchkritik -- Søren Sveistrup -- Der Kuckucksjunge

Umschlagfoto, Buchkritik, Søren Sveistrup, Der Kuckucksjunge, InKulturA Gerade als Kommissarin Naia Thulin glaubt, den Schatten ihrer Vergangenheit entkommen zu sein, holt sie die Dunkelheit wieder ein. Ihre Versetzung in die Abteilung für Cyberkriminalität sollte ein Neuanfang sein, ein Versuch, ein geordnetes Leben mit ihrem neuen Freund und ihrer Tochter Le zu führen. Doch als sie den Auftrag erhält, die digitalen Spuren einer vermissten Person zu verfolgen, wird sie unweigerlich in den Mahlstrom eines neuen Falles gezogen, der sie an ihren alten Arbeitsplatz und zu den Dämonen zurückführt, die sie hinter sich lassen wollte. Ein perfides Versteckspiel, inszeniert von einem unsichtbaren Stalker, fordert seine ersten Opfer und hinterlässt eine Spur der Trauer. Thulin spürt, dass sie sich diesem Sog des Grauens nicht entziehen kann, erst recht nicht, als unerwartet ihr ehemaliger Partner Mark Hess wieder auftaucht.

Hess selbst kehrt aus zutiefst persönlichen Gründen nach Dänemark zurück, geplagt von der schweren Krankheit seines Bruders. Doch das Schicksal, oder vielleicht auch nur der Zufall, verwebt seine private Tragödie mit dem öffentlichen Albtraum, der sich in Kopenhagen entfaltet. Während er auf Antworten wartet, die das Leben ihm schuldig zu sein scheint, widmet er sich dem Fall, der mit jedem neuen Opfer, jeder weiteren Vermisstenmeldung an Komplexität und Grausamkeit gewinnt. Die Ermittlungen werden zu einem Wettlauf gegen die Zeit, erschwert durch Widerstände aus den eigenen Reihen, als der Fall von höchster Stelle für gelöst erklärt wird – eine Entscheidung, die Thulin und Hess nicht akzeptieren können.

Für Naia Thulin wird der Fall zu einer Zerreißprobe. Der Wunsch, in ihr neues, geordnetes Leben zurückzukehren, kollidiert mit der quälenden Gewissheit, dass der wahre Täter noch auf freiem Fuß ist. Als unerwartete Hinweise auftauchen, die wie Brotkrumen eines perfiden Plans ausgelegt scheinen, müssen sich die beiden Ermittler entscheiden, wie weit sie bereit sind zu gehen. Sie verfolgen die Spuren aus unterschiedlichen Richtungen, ohne zu ahnen, dass sie selbst längst zu Figuren in einem grausamen Spiel geworden sind, dessen Regeln sie nicht kennen.

Søren Sveistrup inszeniert in „Der Kuckucksjunge“ eine nervenzerreißende Jagd, die weit mehr ist als nur ein Kriminalfall. Es ist eine Geschichte über die Saat des Zorns, die in der Vergangenheit gesät wurde und nun in einer Serie bestialischer Morde aufgeht. Der Täter, selbst ein Opfer eines alten, ungesühnten Verbrechens, wird zum rachsüchtigen Phantom, das jene zur Rechenschaft zieht, deren Entscheidungen einst Familien zerstörten. Sveistrup hat einen Thriller von unerbittlicher Konsequenz geschaffen, der tief unter die Haut geht und die Frage stellt, wie lange die Echos der Vergangenheit nachhallen, bevor sie in einem Schrei der Rache münden. Eine klare Leseempfehlung für alle, die bereit sind, in die dunkelsten Abgründe der menschlichen Seele zu blicken.




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Veröffentlicht am 8. Januar 2026