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Ein Stern aus der Vergangenheit
Liza Marklund entführt ihre Leser in „Das kalte Moor" in den hohen Norden Schwedens, in eine Welt aus arktischen Nächten, dünn besiedelten Weiten und einem Torfmoor, das Geheimnisse ebenso hartnäckig bewahrt wie der Permafrost. Der zweite Band der „Polarkreis-Trilogie" knüpft nahtlos an die Qualitäten des Auftaktbandes an und beweist einmal mehr Marklunds Meisterschaft im Umgang mit komplexen, vielschichtigen Thriller-Konstruktionen.
Der Ausgangspunkt liegt Jahrzehnte zurück: Anfang der 1990er-Jahre verschwindet Helena Stormberg, die Frau des örtlichen Polizeichefs Wiking, spurlos im Torfmoor unweit ihres Hauses, beim Beerenpflücken, mit ihrer erst einen Monat alten Tochter Elin an der Seite. Die Suche verläuft ergebnislos. Das Moor hat sie verschluckt. Wiking akzeptiert den Verlust nie ganz; er kehrt immer wieder an diesen Ort zurück und führt imaginäre Gespräche mit der Frau, die er verloren hat.
Dreißig Jahre später, mitten in der Covid-Pandemie des Jahres 2020, bricht die Vergangenheit mit unerwarteter Wucht in die Gegenwart ein. Wikings Sohn Markus, der auf einem örtlichen Militärstützpunkt arbeitet, wo geheime Waffentests unter Beteiligung ausländischer Nationen durchgeführt werden, erhält einen anonymen Drohbrief: Sollte er die Leitung eines brisanten Projekts übernehmen, sei sein Leben in Gefahr. Was den Brief jedoch zu einem Schock macht, ist nicht der Inhalt, sondern die Unterschrift, ein kleiner Stern, das persönliche Zeichen von Helenas Hand. Lebt sie noch?
Diese Frage treibt Wiking mit erneuerter Obsession um, während er gleichzeitig einen mysteriösen Waffendiebstahl, einen tödlichen Vorfall auf dem Stützpunkt und die Bedrohung seines Sohnes untersucht. Marklund verwebt geschickt zwei Zeitebenen miteinander: Helenas und Wikings Geschichte wechselt zwischen Vergangenheit und Gegenwart und gewährt dabei nicht nur Einblicke in die Perspektiven und Beweggründe der Figuren, sondern auch in die schattenhaften Kulissen des Kalten Krieges, die gegenseitige Überwachung durch russische und schwedische Geheimdienste, deren lange Schatten bis in die Gegenwart reichen.
Die Stärke des Romans liegt in seiner fakten- und ereignisreichen Handlung, die trotz gelegentlicher Längen stets flüssig und spannend bleibt. Besonders beeindruckend ist Marklunds Schilderung der nordschwedischen Landschaft: Die Beschreibungen der arktischen Natur, der endlosen Wälder und der dünn besiedelten Orte sind von einer atmosphärischen Dichte, die das Leben der Menschen in dieser Einöde greifbar macht und dem Roman eine unverwechselbare Kulisse verleiht. „Das kalte Moor" ist ein wohlkonstruierter und gekonnt geschriebener Thriller, und ein weiterer Beweis dafür, dass die „Polarkreis-Trilogie" zu den stärksten skandinavischen Krimireihen der letzten Jahre zählt.
Meine Bewertung:
Veröffentlicht am 12. April 2026