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Buchkritik -- Sam Holland -- The Puppet Master

Umschlagfoto, Buchkritik, Sam Holland, The Puppet Master, InKulturA Was, wenn der ultimative Akt der Selbstzerstörung keine freie Entscheidung ist, sondern der letzte, fremdgesteuerte Zug in einem perfiden Spiel? Diese beunruhigende Frage bildet den düsteren Kern von Sam Hollands Thriller „The Puppet Master“. Eine Serie von scheinbar unzusammenhängenden Selbstmorden – ein Sprung vor einen Zug, eine Überdosis, ein Schuss aus einer Schrotflinte – entpuppt sich als das Werk eines unsichtbaren Strippenziehers. Eines Mörders, der nicht mit dem Messer, sondern mit dem Geist tötet. Er ist ein Virtuose der Manipulation, ein Choreograf des Todes, der seine Opfer in einem makabren Tanz in den Abgrund zwingt.

Als die Abteilung für schwere Verbrechen einen Fall von der britischen Transportpolizei übernimmt, ahnen die Ermittler nicht, dass sie sich von den gewohnten Pfaden brutaler Gewaltverbrechen entfernen und ein Territorium des psychologischen Grauens betreten. Der Täter, der hier sein Unwesen treibt, ist kein blutrünstiger Wahnsinniger, sondern ein subtiler, kontrollierender Geist, der die Verletzlichkeit seiner Opfer ausnutzt. Genau diese Abkehr vom physischen Gemetzel hin zur psychologischen Vivisektion macht den Roman zu einer so beklemmenden und einzigartigen Leseerfahrung.

Sam Holland gelingt das Kunststück, hochsensible Themen wie Depression, Trauer, PTBS und Suizid mit großem Einfühlungsvermögen in die Erzählung zu verweben, ohne sie voyeuristisch auszuschlachten. Der Fokus liegt nicht auf der reißerischen Darstellung der Tode, sondern auf der akribischen Polizeiarbeit und dem verzweifelten Versuch, ein Phantom zu fassen, das keine Spuren außer gebrochenen Seelen hinterlässt. Die realistische Darstellung der psychischen Abgründe verleiht der Geschichte eine erschreckende Plausibilität, die weit mehr unter die Haut geht als jede herkömmliche Gewaltdarstellung.

Zwar mag der Roman, der als Teil der „Major Crimes“-Reihe auch als eigenständiges Werk funktioniert, zu Beginn etwas langsam an Fahrt aufnehmen, doch entpuppt sich dies als notwendiger Aufbau einer klaustrophobischen Atmosphäre. Holland nimmt sich Zeit, die persönlichen Dämonen seiner Ermittler ebenso auszuleuchten wie die psychologischen Fallstricke seines Mörders. So entsteht ein dichtes Netz aus psychologischer Intrige und menschlichem Drama, das den Leser unweigerlich gefangen nimmt.

„The Puppet Master“ ist weit mehr als nur ein weiterer Polizeithriller. Es ist eine tiefgründige Reflexion über die Illusion der Kontrolle und die unsichtbaren Fäden, die unser Leben manipulieren können. Sam Holland hat einen messerscharfen Psychothriller geschrieben, der die richtigen Fragen stellt und seine Leser mit einem Gefühl des Unbehagens zurücklässt. Ein zum Nachdenken anregendes Meisterwerk und ein psychologisches Schreckensszenario, das die dunkelsten Ecken der menschlichen Psyche erkundet.




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Veröffentlicht am 9. Januar 2026