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Buchkritik -- Michael Hjorth/Bjarni Thorsson -- Schlafende Vulkane

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„Ihr drei improvisiert, respektiert keine Grenzen und pfeift auf die Vorschriften.“ Wer sich von seinem Vorgesetzten derart abkanzeln lassen muss, hat in der Regel etwas richtig gemacht, zumindest in der Literatur. Bjarki, Helga und die aus Bosnien stammende Kriminaltechnikerin Yvette pfeifen tatsächlich auf Dienstwege. Und das aus gutem Grund. Der aktuelle Fall verlangt nach Methoden, die so unberechenbar sind wie die isländische Natur selbst.

Eine Frau liegt tot in einem Stall vor den Toren Reykjavíks. Ihr zehnjähriger Sohn ist verschwunden, die Spuren im Haus deuten auf panische Flucht hin, hinaus in eine Vulkanlandschaft, die keine Fehler verzeiht. Der Fall landet auf dem Schreibtisch von Helga, einer Ermittlerin, der es noch an Routine fehlt, die das aber mit analytischer Schärfe kompensiert. Sie begreift schnell, dass sie den Jungen nicht allein finden wird. Widerwillig wendet sie sich an Bjarki. Der schiebt zwar mittlerweile Frust bei der Verkehrspolizei, gehört aber einer elitären Rettungseinheit an. Er ist ein physisches Kraftpaket, furchtlos und ein notorischer Einzelgänger.

Als eine zweite Leiche auftaucht, weicht die Suche nach einem vermissten Kind der Jagd auf einen Serienmörder. Bjarki rückt offiziell in Helgas Team auf, und die Dynamik dieser ungleichen Truppe beginnt den Roman zu tragen. Helgas schwedische Wurzeln und ihre kurze Dienstzeit lassen den mürrischen Kollegen Benny lautstark an ihr zweifeln. Ihre intellektuelle Präzision reibt sich an Bjarkis rauer Direktheit. Die Figuren stolpern über moralische Fallstricke, beruflich wie privat, und genau diese unaufgelösten Widersprüche verleihen der Geschichte ihre eigentliche Tiefe.

Hinter dem Roman stehen Michael Hjorth, bekannt durch die wuchtige Sebastian-Bergman-Reihe, und der Isländer Bjarni Thorsson. Beide bringen ihre filmische Prägung spürbar auf die Seiten. „Schlafende Vulkane“ atmet die unnahbare Kälte Islands, treibt die Handlung aber mit der gnadenlosen Taktung skandinavischer Kriminalliteratur voran.

Das Duo serviert keine weichgespülte Wohlfühlkost. Es ist eine dichte Erzählung, die ihre Figuren an die Grenzen treibt und uns in eine unwirtliche Welt zerrt. Hjorth und Thorsson gelingt es, die erzählerischen Traditionen ihrer Länder nicht einfach nur zu addieren, sondern zu einer neuen, kantigen Legierung zu verschmelzen. Ein Auftakt, nach dem man sofort wissen will, wohin Hjorth und Thorsson als Nächstes führen.




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Veröffentlicht am 18. Juni 2026