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Buchkritik -- Wolfgang Schorlau -- Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter

Umschlagfoto, Buchkritik, Wolfgang Schorlau, Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter, InKulturA Wolfgang Schorlau hat mit spitzer Feder eine politische Satire verfasst, die so erschreckend nah am aktuellen Geschehen liegt, dass man beim Lesen unwillkürlich nach dem Disclaimer sucht: „Alle Personen sind frei erfunden" – natürlich, natürlich. Nur dass die Leserschaft trotzdem genau weiß, wer hier seinen literarischen Auftritt hat. Willkommen in der Welt des (Wirtschafts-)Ministers Karsten Richter, einem Mann, der für seine Karriere buchstäblich alles zu tun bereit ist, und „alles" meint hier wirklich: alles.

Die Handlung nimmt Fahrt auf, als Richters Mutter mit einer Pressekonferenz droht, deren Arbeitstitel bereits Bände spricht: „Mein Sohn Karsten, die Ökosau!" Alarmstufe Rot im Ministerium. Doch das Schicksal, oder besser: die Dramaturgie, meint es gut mit dem Karrieristen: Mama wird entführt. Während andere Söhne in Panik verfallen würden, wittert Richter seine Chance. Er spielt auf Zeit, verhandelt mit den Entführern und bemängelt deren „schlechten Businessplan" bei der Lösegeldforderung. Man muss schon sagen: Konsequenz in der Charakterzeichnung.

Derweil nervt die entführte Mutter ihre Kidnapper mit der Forderung nach biologisch-dynamischer Ernährung während der Geiselhaft, eine köstliche Pointe, die zeigt, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, wenn auch in entgegengesetzter ideologischer Richtung. Und während Mutti ihre Demeter-Prinzipien hochhält, lässt sich der Herr Sohn von Wirtschaftsfunktionären korrumpieren. Typisch Politiker eben, möchte man seufzen, oder lachen, je nach Tagesform.

Schorlaus Roman ist eine gelungene Satire über die Ab- und Hintergründe politischer Entscheidungen, über das Geld- und Machtstreben einiger weniger, die ihr Wohl über das aller anderen stellen, und über die Karrieresprünge jener Spezies, die man gemeinhin als Politschranzen bezeichnet. Die Lektüre ist so vergnüglich wie ernüchternd, und gerade deshalb so treffend. Denn die beste Satire ist bekanntlich jene, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt.




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Veröffentlicht am 19. Februar 2026