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Buchkritik -- Kathy Reichs -- Die Spur der Angst

Umschlagfoto, Buchkritik, Kathy Reichs, 3Die Spur der Angst, InKulturA Wenn die Spur ins Leere führt

Kathy Reichs schickt ihre forensische Anthropologin Temperance Brennan in „Die Spur der Angst" auf einen Fall, der mit einer beunruhigenden Prämisse beginnt: In Charlotte werden Tiere auf verstörende Weise verstümmelt und zur Schau gestellt. Die Opfer werden größer, die Inszenierungen bizarrer, und Brennan sowie der kurz vor dem Ruhestand stehende Detective Slidell ahnen, dass der Täter früher oder später den Schritt zu menschlichen Opfern wagen könnte. Parallel dazu hat Tempes Tochter Katy für den Sommer eine launische Teenager-Verwandte aufgenommen, die sich mit einer Gruppe älterer Studenten angefreundet hat, deren Absichten alles andere als harmlos erscheinen.

Die Ausgangssituation verspricht Spannung, doch das Versprechen löst der Roman nur unzureichend ein. „Die Spur der Angst" reiht sich in einen besorgniserregenden Trend der Reihe ein: Mit jedem Band scheint die erzählerische Energie weiter nachzulassen. Brennans charakteristische Schlagfertigkeit wirkt mittlerweile wie eine pflichtgemäß abgehakte Formel, ihr Freund Ryan tritt kaum in Erscheinung, und Slidell nimmt einen Raum ein, der dem eigentlichen Fall nicht zugutekommt. So bizarr und verstörend die Tierverbrechen im Einzelnen auch sein mögen, im Vergleich zu den forensischen Abgründen, mit denen Tempe in früheren Bänden konfrontiert wurde, wirken sie merkwürdig nebensächlich.

Besonders enttäuschend ist die Konstruktion der Ermittlung selbst. Die Verdächtigungen führen so konsequent in die Irre, dass die Auflösung am Ende weniger als befriedigende Überraschung denn als Verwirrung wirkt. Und das Finale kommt mit einer Abruptheit, die den Leser ratlos zurücklässt, als hätte man versehentlich mehrere Kapitel übersprungen. „Die Spur der Angst" ist kein schlechter Thriller, aber einer, der das Potenzial seiner Prämisse verschenkt und den hohen Maßstäben, die Kathy Reichs selbst gesetzt hat, nicht gerecht wird.




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Veröffentlicht am 19. März 2026