I. Einleitung: Das Paradox des Glücksstrebens
Das Streben nach Glück ist eine der fundamentalsten Konstanten menschlicher Existenz. Es durchdringt alle Kulturen, alle Epochen und alle individuellen Lebensentwürfe. Von den antiken Philosophen bis zu den modernen Selbsthilfe-Gurus, von den großen Religionen bis zu den profanen Alltagsweisheiten, die Frage nach dem glücklichen Leben ist die Triebfeder unzähliger Diskurse, Hoffnungen und Anstrengungen. Doch in diesem universellen Streben liegt ein tiefes Paradox verborgen: Je direkter und verbissener wir das Glück jagen, desto flüchtiger und ungreifbarer scheint es zu werden. Es ist, als ob das Glück ein scheues Wild wäre, das sich just in dem Moment entzieht, in dem wir es zu fassen glauben. Diese Erfahrung der Flüchtigkeit, der Unbeständigkeit und letztlich der Unzuverlässigkeit des Glücks ist es, die den Menschen seit jeher in ein Spannungsverhältnis zu seinen eigenen Wünschen und Erwartungen setzt. Weiterlesen