Rollen bald wieder alle Räder…?

Meine Damen und Herren, es ist ein historischer Moment! Ein Ruck geht durch Deutschland, ein stählerner Wind fegt durch die Amtsstuben und die Herzen der Bürger. Generalmajor Wolf-Jürgen Stahl, ein Mann, dessen Name allein schon nach Krupp-Stahl, preußischer Disziplin und dem Geruch von Waffenöl klingt, hat uns die frohe Botschaft verkündet: Wir müssen wieder mehr tun! Mehr arbeiten, mehr dienen, mehr Zeit in unsere Sicherheit investieren. Endlich! Die Zeit des verweichlichten Friedens, der 4-Tage-Woche, der Hafermilch-Cappuccinos und der narzisstischen Selbstverwirklichung ist vorbei. Die 48-Stunden-Woche und die Wehrpflicht werden uns retten. Halleluja! Man kann die kollektive Erleichterung im Land förmlich spüren, eine Welle der Begeisterung, die von den Vorstandsetagen der Rüstungskonzerne bis in die Schützengräben der sozialen Medien schwappt. Weiterlesen

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Politiker(portraits) gehören an die Wand

In einer Welt, die von Krisen geschüttelt wird, in der das Volk nach Führung und Orientierung schreit, hat die deutsche Politik endlich eine Antwort gefunden. Eine Antwort, so klar, so brillant, so ästhetisch ansprechend, dass man sich fragt, warum nicht schon früher jemand darauf gekommen ist. Die Antwort lautet: Mehr Porträts! Ja, Sie haben richtig gehört. Was uns rettet, ist nicht etwa eine durchdachte Wirtschafts- oder Sozialpolitik, nicht der Kampf gegen den Klimawandel oder die Sicherung des Friedens. Nein, was uns rettet, ist das Konterfei unseres Außenministers, Johann Wadephul, in jeder deutschen Botschaft weltweit. Hallelujah! Endlich hat die Regierung Merz erkannt, worauf es wirklich ankommt: nicht auf Inhalte, nicht auf Ergebnisse, sondern auf die richtige Bildsprache. Und wer könnte diese Botschaft besser verkörpern als der Mann selbst, dessen Foto nun überall hängen soll? Weiterlesen

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Wenn das Lachen zur Straftat werden könnte

Über die hypothetische Heiligsprechung politischer Empfindlichkeiten

Man stelle sich ein Deutschland vor, das sich entschlösse, endgültig erwachsen zu werden — erwachsen im Sinne jener empfindlichen Sorte Erwachsensein, die bereits bei einem gehauchten Kichern die Würde des Amtes in Gefahr wähnte. Und so könnte es geschehen, dass der § 188 StGB, bislang ein eher stiller Paragraph im Strafgesetzbuch, plötzlich eine Renaissance erlebte, weil jemand auf die Idee gekommen sein könnte, er müsse „geschärft“ werden. Weiterlesen

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Wir bestimmen, was erlaubt ist

Es gibt Momente, in denen ein Land gewissermaßen versehentlich in den Spiegel schaut und erschrickt. Nicht über die Pickel der Jugend oder die Falten des Alters, sondern über diese eigentümliche Doppelbelichtung, bei der sich moralischer Hochmut und staatstragender Pflichtwille überlagern wie schlecht kopierte Folien. Man sieht nicht mehr, was eigentlich Realpolitik ist und was moralische Jonglage, und genau in diesem goldglänzenden Nebel bewegen sich derzeit jene Stimmen, die bestimmt haben wollen, welche Empörung erlaubt, welche geduldet und welche ab sofort unerwünscht ist. Weiterlesen

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Die glorreiche Regression – oder nicht doch eher Hybris?

Ein Hoch auf den modernen Fortschritt

Wir sind die Krone der Schöpfung. Wir, die aufgeklärten Kinder des 21. Jahrhunderts, die wir mit einem Wischen auf einem Glasrechteck das gesammelte Wissen der Menschheit abrufen, unsere Pizza per App bestellen und unseren Weg zum nächsten Café von einem Satelliten im Orbit leiten lassen. Wir haben es geschafft. Der Fortschritt hat triumphiert. Wir sind so brillant, dass wir für jedes Problem eine App haben und für jede Wissenslücke einen Wikipedia-Artikel, den wir bis zur Hälfte überfliegen. Weiterlesen

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Es geht wieder ein Gespenst um in Europa…

Es geht wieder ein Gespenst um in Europa. Nicht das Marx’sche Gespenst, das wenigstens noch einen Hauch intellektuellen Unterhaltungswert besaß, sondern ein weit gefährlicheres: das Gespenst des Friedens. Kaum ausgesprochen, erzeugt es in den Machtzentren des Kontinents hysterische Atemnot, jene spezielle Form politischer Panik, die entsteht, wenn Realitäten drohen, sich gegen das bequeme Selbstbild zu wenden. Weiterlesen

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Wenn der alte weiße Mann Suppe kochen muss

Es beginnt in jenem politisch aromatisierten Paralleluniversum, in dem Funktionäre der Gegenwart mit einer Selbstgewissheit auftreten, als hätten sie den Ernstfall persönlich erfunden. Eine grüne Spitzenpolitikerin, frisch aus dem Kokon der moralischen Veredelung, unberührt von Kasernenstaub, aber vertraut mit energetischen Raumbeduftungen, entdeckt plötzlich die Älteren. Nicht als Wähler, nicht als mahnende Stimmen der Erfahrung, sondern als Reservebestand. Als hinterlegte Notfall­konserven. Als Wehrkraftverstärkungs-Variante „Senioren mild“. Weiterlesen

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Putin ante portas

Die Luft erzittert. Nicht vor Kälte, nein, das wäre ja noch normal für einen durchschnittlich apokalyptischen Winter im Herzen Europas. Sie erzittert vor Furcht. Einer Furcht, die so dicht ist, dass man sie mit dem Löffel essen könnte, serviert zum Frühstücksfernsehen und als Betthupferl in den Spätnachrichten. Putin steht vor der Tür. Nicht vor irgendeiner Tür, nein, vor unserer Tür. Der kollektiven Haustür des Westens, und er hat nicht etwa geklingelt, um nach Zucker zu fragen. Weiterlesen

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Moral und Müdigkeit im modernen Kriminalroman Teil III

Die Zuschauer des Verbrechens

Das Publikum zwischen moralischer Erschöpfung und voyeuristischer Faszination

Der Kriminalroman beginnt traditionell mit einer Leiche, und endet mit einer Wahrheit. Doch zwischen diesen beiden Polen hat sich in den letzten Jahrzehnten ein Dritter eingeschlichen: der Zuschauer. Er ist die stille Figur, die alles zusammenhält, und zugleich der wahre Gegenstand der modernen Kriminalliteratur. Denn ohne ihn gäbe es kein Verbrechen, das erzählt, kein Schuldgefühl, das erlebt, kein Recht, das wiederhergestellt werden müsste. Weiterlesen

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Moral und Müdigkeit im modernen Kriminalroman Teil II

Die ewige Jugend der Verbrecher

Anatomie einer moralischen Leerstelle

Die Helden sind müde geworden, aber das Böse bleibt frisch. Das ist vielleicht die grausamste Wahrheit des modernen Kriminalromans: Während Rebus, Wallander und Bosch an Körper und Gewissen erodieren, scheinen ihre Gegenspieler unverbraucht, zynisch vital, auf ewig jung. Sie altern nicht, weil sie nichts erinnern. Weiterlesen

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