Nicolás Gómez Dávila

Die zeitlose Gültigkeit des reaktionären Aphorismus

Im intellektuellen Halbschatten des 20. Jahrhunderts, abseits der akademischen Hauptströmungen und politischen Agenden, entfaltete sich das singuläre Werk des kolumbianischen Denkers Nicolás Gómez Dávila. Als ein in die Klausur seiner monumentalen Bibliothek zu Bogotá zurückgezogener Solitär, schuf er ein Œuvre, das sich beinahe ausschließlich aus jenen Aphorismen zusammensetzt, die er als „Scholien“ bezeichnete. Diese prägnanten Sentenzen formen ein Mosaik radikaler Modernitätskritik, das sich bewusst von den vorherrschenden Ideologien seiner Zeit absetzt. Gerade durch diese konsequente Distanzierung und die tiefe Verankerung seines Denkens in einer metaphysischen Tradition erlangt sein Werk eine zeitlose Gültigkeit, die es zu einer beständigen Provokation für die Reflexion über die „conditio humana‟ im Zeitalter der Moderne macht. Weiterlesen

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Am Rand der Zeit: Eine melancholische Betrachtung

Inspiriert von James Rebanks‘ „Insel am Rand der Welt“

Die Stille zwischen den Wellen

Es gibt Momente, in denen die Welt stillzustehen scheint, nicht in der lärmenden Stille einer überfüllten Stadt, sondern in der wahrhaftigen Ruhe einer entlegenen Insel, wo nur der Wind durch das Gras streicht und die Wellen gegen uralte Felsen schlagen. James Rebanks führt uns an solche Orte, an den Rand der bekannten Welt, wo die Zeit andere Gesetze befolgt und wo das menschliche Herz endlich wieder seinen eigenen Rhythmus finden kann.

Hier, zwischen Himmel und Meer, zwischen dem Gestern und dem Morgen, offenbart sich eine Wahrheit, die in unserer hektischen Zeit fast vergessen scheint: dass wir Teil von etwas Größerem sind, etwas Dauerhafterem als unsere flüchtigen Sorgen und unser rastloses Streben. Die Entenfrauen von Vega verstehen dies seit Jahrhunderten. Sie leben nicht gegen die Natur, sondern mit ihr, in einem Rhythmus, der älter ist als alle Uhren und weiser als alle Kalender. Weiterlesen

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Berlin als logistische Drehscheibe im Krieg? Schon verloren!

Der neue „Operationsplan Deutschland“ ist ein Dokument von spröder Schönheit: geheim, technisch, ausweichend. Er beantwortet Fragen nicht, er verweist. Er gibt keine Sicherheit, er beschreibt Zuständigkeiten. Und Berlin, das ohnehin schon notorisch chaotische Herz der Republik, ist dabei kein sicherer Hafen, sondern: Durchgangsstation. Weiterlesen

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Was für widerliche Kreaturen

Man reibt sich die Augen: dieselben Gestalten, die sonst bei jeder Kleinigkeit ›Zivilisation! Werte! Demokratie!‹ rufen wie ein nervöser Feuermelder, feiern plötzlich den Mord an einem politischen Gegner. Bravo! Ein zivilisatorischer Coup sondergleichen, endlich das Niveau jener Steinschleuder-Logik erreicht, die schon in der Bronzezeit kaum originell war.

Der Jubel über den Tod eines Menschen, welch intellektueller Höhepunkt. Man könnte fast meinen, Aristoteles habe sich umsonst abgemüht, Kant umsonst kategorische Imperative formuliert. Denn siehe da: Ein Schuss genügt, und schon erübrigen sich Jahrhunderte der Aufklärung. Kein Diskurs, keine Gegenrede, kein Denken, nur das heilige Klicken des Abzugs, das ›Argument‹ für alle, deren Wortschatz bei Beleidigungen endet. Weiterlesen

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„Tritt mich noch einmal, Herr Merz!“

Eine satirische Nachlese zur nordrhein-westfälischen Landtagswahl

Es gibt Länder, in denen man aus Wahlen Funken schlägt, Visionen gebiert, einen Aufbruch wagt. Und es gibt Nordrhein-Westfalen. Das Bundesland, das stets ein bisschen so wirkt, als habe man es aus Braunkohle, Autobahnraststätten und dem letzten Rest Kirmesstaub zusammengeknetet, hat gewählt. Gewählt, wie es eben wählt: stoisch, verlässlich, geradezu masochistisch. Und siehe da: Die CDU hat gewonnen. Friedrich Merz, dieser wandelnde Wirtschaftsprüfer in Menschengestalt, reibt sich die Hände und sagt trocken: „Kein Grund, die Regierungspolitik zu ändern.“ Weiterlesen

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Europa hat sich aufgegeben

Ich habe es bereits beschrieben, dass aus der griechischen Philosophie, dem Recht Roms und dem Glauben Israels, der sowohl das alte Judentum wie das Christentum meint, das Europa der vergangenen 2.000 Jahre entstanden ist.“ Gerald Grosz: Merkels Werk – Unser Untergang.

Schon in diesem Satz liegt mehr Wahrheit über die geistige DNA unseres Kontinents als in allen Hochglanzbroschüren der Europäischen Union zusammengenommen. Wer genauer hinhört, entdeckt die eigentliche Tragödie der Gegenwart: Europa weiß nicht mehr, wer es ist, und weil es nicht mehr weiß, wer es ist, will es sich auch nicht mehr sein. Drei Quellen sind es, die zusammenflossen: die griechische Philosophie, die mit ihrem Fragen, Zweifeln, Dialektisieren den Menschen überhaupt erst in die Lage versetzte, über sich selbst hinauszudenken; das römische Recht, nüchtern, systematisch, ein universales Ordnungsprinzip, das die Idee brachte, Regeln über den Willen des Einzelnen zu stellen; und der Glaube Israels, der das alte Judentum wie das Christentum umfasst, und den Gedanken einer transzendenten Verantwortung begründete, einer Instanz, die größer ist als jede irdische Macht. Ohne diese drei Säulen gäbe es keine Vorstellung von unveräußerlicher Würde, keine Idee, dass der Mensch mehr ist als ein biologisches Bündel von Bedürfnissen. Und doch wird dieses Bauwerk in der Gegenwart gern so dargestellt, als sei es bestenfalls eine Ruine, schlimmstenfalls ein Gefängnis. Weiterlesen

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Queer und Doof

Die Rückkehr des Mittelalters im Gewand der Moderne

Man hatte uns weisgemacht, die Menschheitsgeschichte sei eine lineare Erzählung: von der Höhle zum Hochhaus, vom Scheiterhaufen zum Rechtsstaat, vom Aberglauben zur Aufklärung. Doch nun erleben wir staunend, dass die Spirale der Zivilisation nicht nur nach oben, sondern auch nach unten führen kann – und zwar mit bemerkenswerter Geschwindigkeit. Willkommen im 21. Jahrhundert, wo mittelalterlicher Fanatismus und westliche Wokeness eine groteske Allianz eingehen, die jede Satire überflüssig macht, weil sie sich selbst karikiert. Weiterlesen

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Das entlarvende Schweigen der „Woken Community‟

Da liegen Frauen verschüttet unter Trümmern, und der fromme Taliban hat einen göttlichen Einfall: „Hände weg, Brüder, es könnte unkeusch sein, ein sterbendes Weib zu berühren.“ So stirbt man in den Ruinen nicht am Gewicht des Betons, sondern am Gewicht der Frömmigkeit. Und während diese mittelalterliche Farce in Afghanistan zur grausigen Realität wird, nickt der Westen ergeben, oder noch besser: Er schweigt, als wäre es ein Akt höherer Toleranz. Weiterlesen

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Die Schatten des Zweifels

False-Flag-Operationen und die moderne Kunst der Kriegsführung

In der angespannten Arena der internationalen Politik ist die Wahrheit oft das erste Opfer. Ein Vorfall ereignet sich – ein Angriff, eine Explosion, eine technische Störung – und sofort beginnt der Kampf um die Deutungshoheit. Wer war der Täter? Was war das Motiv? Und vor allem: Wem nützt es? In diesem Nebel des Misstrauens gedeiht eine der ältesten und gefährlichsten Taktiken der verdeckten Kriegsführung: die False-Flag-Operation.

Eine Operation unter „False Flag“ ist ein Täuschungsmanöver, bei dem eine Regierung oder eine andere Entität eine Handlung ausführt und sie gezielt einem Gegner in die Schuhe schiebt. Das Ziel ist es, die öffentliche Meinung zu manipulieren, Sympathien zu gewinnen, einen Vorwand für militärische Vergeltung zu schaffen oder einen unliebsamen Konflikt zu provozieren. Der Begriff stammt aus der Seefahrt des 16. Jahrhunderts, als Piraten die Flagge eines befreundeten Landes hissten, um sich arglosen Handelsschiffen zu nähern, bevor sie zum Angriff übergingen. Weiterlesen

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Die strafbare Kunst des Bordsteinflirts

Über die kriminalpolitische Neuerfindung des Pfeifens

Es gibt in der Menschheitsgeschichte Augenblicke, die in den Annalen der Zivilisation einen Ehrenplatz verdienen: die Erfindung des Rades, die Entdeckung des Penicillins, die Mondlandung. Und nun, frisch hinzugefügt in das goldene Buch der Fortschritte: die Erkenntnis, dass es vielleicht keine so blendende Idee ist, wildfremden Menschen auf der Straße hinterherzupfeifen. Ja, tatsächlich, Catcalling soll künftig strafbar werden. Die SPD hat es beschlossen, die Gesellschaft soll aufatmen, und man fragt sich unwillkürlich: Wie nur haben wir es bis hierher überhaupt geschafft, ohne diese bahnbrechende Einsicht? Weiterlesen

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