Die Dialektik der Macht

Vom Hass auf Könige zum Wunsch, selbst König zu sein

I. Das Paradoxon der Macht

Der Kalfaterersmaat Cornelius Hickey hasste Könige und Königinnen. Für ihn waren sie alle blutsaugende Schmarotzer am Allerwertesten des Staatskörpers. Doch er stellte fest, dass es ihm durchaus behagte, selbst König zu sein.” (Dan Simmons, Terror)

In diesem kurzen Satz offenbart sich ein fundamentales Paradoxon der menschlichen Natur: die gleichzeitige Verachtung bestehender Machtstrukturen und die heimliche Sehnsucht, selbst Macht auszuüben. Cornelius Hickey, ein einfacher Kalfaterersmaat, also ein Handwerker niedrigen Ranges auf einem Schiff, dessen Aufgabe es ist, Ritzen und Spalten abzudichten, verkörpert diesen Widerspruch in seiner reinsten Form. Seine vulgäre Ablehnung der Monarchie („blutsaugende Schmarotzer am Allerwertesten des Staatskörpers“) steht in scharfem Kontrast zu seiner eigenen Entdeckung, dass ihm die Position des Herrschers durchaus zusagt. Weiterlesen

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Der „Wertewesten“

Von der Freiheit, sich selbst zu demontieren

Man muss sich den Westen heute als eine Gesellschaft vorstellen, die sich beim Zerlegen ihrer Fundamente mit der Grazie eines IKEA-Kunden beim Aufbau eines Bücherregals verhält: euphorisch, planlos und am Ende bleibt ein Bein übrig. Weiterlesen

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Gedanken zur deutschen „Kriegsertüchtigung“

„Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor“ – dieser alte römische Grundsatz hat über Jahrhunderte hinweg die Außenpolitik vieler Staaten geprägt. Doch hinter manchen kriegerischen Auseinandersetzungen und außenpolitischen Aggressionen verbirgt sich ein weitaus zynischeres Kalkül: Die bewusste Ablenkung von innenpolitischen Missständen und Krisen durch die Schaffung eines äußeren Feindes. Die These, dass Regierungen, die innenpolitisch versagen, dazu neigen, außenpolitisch zu agieren und Kriege anzuzetteln, ist ein wiederkehrendes Muster in der Weltgeschichte, das einer tieferen Betrachtung bedarf. Weiterlesen

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Erkenntnis ohne Erlösung

Zur Tragik der durchschauten Neurose

Das war das kleine, schmutzige Geheimnis der Psychiatrie: Man konnte seine eigene Neurose, seine eigene Zwanghaftigkeit und seine eigenen Fetische durchschauen, ihren Ursprung erkennen, ohne dass es einem half, sich davon zu befreien.“ (Giles Blunt, Kanadische Nächte)

In diesem Satz offenbart sich eine bittere Wahrheit über das Wesen der Selbsterkenntnis: Sie ist kein Allheilmittel. Die Vorstellung, dass Einsicht Heilung bringe, entstammt einem aufklärerischen Ideal, das Wissen mit Fortschritt, mit Besserung, ja mit Erlösung gleichsetzt. Doch die menschliche Psyche ist kein rationaler Apparat, der sich durch bloße Analyse umprogrammieren lässt. Vielmehr gleicht sie einem Labyrinth aus Erinnerungen, Affekten, unbewussten Loyalitäten und körperlich verankerten Mustern, das sich nicht einfach durch den Lichtkegel des Verstehens auflösen lässt. Weiterlesen

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Zwischen Archetyp und Ätherleib

Wege zur Erforschung des Bewusstseins: Ein Vergleich der Theorien von Carl Gustav Jung und Rudolf Steine

Einleitung

Das frühe 20. Jahrhundert war eine Zeit tiefgreifender Umbrüche und intellektueller Gärung, in der traditionelle Weltbilder herausgefordert und neue Wege zum Verständnis des Menschen und seiner Stellung im Kosmos gesucht wurden. In diesem fruchtbaren Umfeld traten zwei außergewöhnliche Denker hervor, deren Ideen bis heute nachwirken: der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung (1875-1961) und der österreichische Philosoph und Esoteriker Rudolf Steiner (1861-1925). Obwohl sie aus unterschiedlichen Disziplinen kamen und unterschiedliche methodische Wege beschritten – Jung als Begründer der analytischen Psychologie, Steiner als Schöpfer der Anthroposophie –, teilten sie ein tiefes Interesse an den verborgenen Dimensionen der menschlichen Psyche, der Natur der Spiritualität und der Entwicklung des Bewusstseins. Weiterlesen

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MegaCities – Die Leere der Zukunft

NEOM und das kulturelle Gedächtnis urbaner Räume

In einer Welt, die sich im Spannungsfeld zwischen technologischer Disruption und ökologischer Verantwortung neu erfindet, avancieren Städte zu Projektionsflächen für Utopien. Saudi-Arabiens Megaprojekt NEOM, insbesondere die visionäre Line City, verkörpert in radikaler Konsequenz diesen Entwurf einer futuristischen Urbanität. Was jedoch in der technokratischen Rhetorik von Autonomie, Nachhaltigkeit und digitaler Perfektion zu kurz kommt, ist eine Dimension, die für die lebensweltliche Verankerung von Städten unerlässlich ist: das kulturelle Gedächtnis. Weiterlesen

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Berlin, Sehnsuchtsort der Kaputten

Die Metropole des gewollten Verfalls

Es gibt Städte, die von Geschichte erzählen, andere von Fortschritt – und dann gibt es Berlin. Eine Stadt, die sich nicht mehr erklären will, weil sie längst zur Chiffre geworden ist: für Dreck, Dekadenz und die glorifizierte Gleichgültigkeit. Was anderswo als Scheitern gilt, ist hier ästhetisches Konzept. Wer scheitert, ist nicht am Ende, er ist angekommen. Weiterlesen

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Panzer an die Front? Aber wie denn?

Deutschland rüstet auf. Nicht im Sinne von „bereitmachen“, sondern eher im Sinne von „im Stau stehen mit Warnblinker“. Ein Krieg mit Russland sei binnen fünf Jahren denkbar, tönt es aus den Kommandostrukturen, während der gemeine Bundesbürger noch damit kämpft, ob er überhaupt in fünf Jahren wieder eine funktionierende Heizung haben wird. Und unsere Panzer? Die stehen bereit. Also nicht bereit-bereit. Eher so: abfahrbereit, sobald die Rheinbrücke bei Leverkusen neu betoniert ist. 2028, wenn’s gut läuft. Weiterlesen

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Venus muss weg

Berlin reinigt die Antike

Berlin, die Hauptstadt des praktizierten Irrsinns, hat es wieder einmal geschafft, das Nadelöhr der politischen Avantgarde zu durchschreiten; diesmal im Namen der moralischen Stadtraumpflege. Die Bronze-Skulptur der Venus Medici, jahrhundertelang ein Symbol für klassische Schönheit, künstlerischen Anspruch und anatomisches Feingefühl, wurde für sexistisch erklärt und aus der Öffentlichkeit entfernt. Weiterlesen

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Zwischen Abgrund und Erhabenheit

Eine Meditation über Kultur, Menschsein und Möglichkeit

Wie viele sind es wirklich, die noch Bach vermissen? Nicht bloß hören, beiläufig, nebenher, wie man eine alte Postkarte betrachtet, sondern vermissen, in jenem tief existenziellen Sinne, in dem der Verlust einer Stimme, eines Lichtes, einer Ordnung empfunden wird? Wie viele gedenken noch jener titanischen Gebärde Beethovens, mit der der Mensch sich gegen das dumpfe Grollen des Daseins aufrichtet? Wer vernimmt noch das heitere Unergründliche bei Mozart oder das tragische Ringen in Brahms’ Erster Sinfonie, dieser „Zehnten Beethovens“, wie sie einst genannt wurde? Weiterlesen

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